Ein Piktogrammsystem
– gemeinsam mit Kindern einer dritten Klasse entwickelt und aufgebaut auf der Schulschrift „Primae“.
Im Fach Sign & Symbol Design an der New Design University St. Pölten war eine Piktogrammserie zu entwickeln, die als zusammenhängendes System funktioniert – mit definiertem Regelwerk, konsistentem Raster und klarer formaler Reduktion. Entstanden ist ein Iconset für die Volksschule: acht Orte, die Kindern wirklich wichtig sind, plus ein Richtungspfeil.
Das Besondere daran: Die Begriffe stammen nicht von mir, sondern von den Kindern selbst. Und das Raster übernimmt Proportionen und die markante Schräge der Schulschrift „Primae“ – die Piktogramme sprechen also dieselbe Formensprache wie die Schrift, mit der die Kinder schreiben lernen.
Neun Piktogramme, ein System

Werksaal 
Schulärztin 
Speisesaal 
Bibliothek 
Klassenraum 
WC 
Hof 
Turnsaal 
Pfeil
Jedes Symbol gibt es in Positiv und Negativ – aufgebaut aus demselben Baukasten, ausgerichtet im selben Raster. Dadurch bleibt die Serie unabhängig vom Hintergrund konsistent einsetzbar. Einheitliche Proportionen, Abstände und Konturstärken sorgen dafür, dass alle Piktogramme als zusammengehöriges System wahrgenommen werden und nicht als einzelne Illustrationen.

Werksaal negativ 
Schulärztin negativ 
Speisesaal negtiv 
Bibliothek negativ 
Klassenraum negativ 
WC negativ 
Hof negativ 
Turnsaal negativ 
Pfeil negativ
„Wie stelle ich Begriffe ohne Worte dar, damit sie auch jemand versteht, der nicht lesen kann?“
Einstiegsfrage im Workshop mit der 3. Klasse

Sprache ohne Schrift?
In Kooperation mit meiner Partnerin – sie ist Volksschullehrerin – haben Kinder einer dritten Klasse jeweils vier Orte gezeichnet, die ihnen in der Schule wichtig sind und ohne Sprache verständlich sein sollen. Gerade in dieser Klasse mit vielen unterschiedlichen Muttersprachen war das Bewusstsein für Sprachbarrieren besonders ausgeprägt. Die Aufgabe machte deutlich, wie selbstverständlich visuelle Kommunikation für Kinder bereits im Alltag ist.
Aus der Auswertung entstanden die acht am häufigsten genannten Begriffe – vom Speisesaal bis zur Bibliothek. Viele der gezeichneten Symbole waren bereits erstaunlich klar aufgebaut und reduzierten die dargestellten Orte intuitiv auf ihre wichtigsten Merkmale. Diese Zeichnungen dienten nicht als direkte Vorlage, sondern als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines konsistenten Piktogrammsystems. Sie bestätigten zugleich, dass verständliche Piktogramme auch ohne gestalterische Vorkenntnisse intuitiv entwickelt werden können.
Raster, Baukasten, Abstände
Das Raster misst 15 × 15 mm bei 10 × 10 Units, mit Schutzzone und erweiterter Schutzzone als optischem Ausgleich der Größenunterschiede. Die wichtigste Definition ist die Diagonale – abgeleitet von der Schräge der „Primae“.
Alle Bauteile sind direkt aus der Schrift entnommen: acht leicht variierende Ecken, der Kreis aus dem i-Punkt, Linien und Rundungen aus den Buchstaben. Vier definierte Abstände strukturieren jedes Piktogramm – so wirkt die Serie ruhig und geschlossen.




